*überarbeitet September 2009*
Borderline
Ende 2000/Anfalng 2001 wurde bei mir Borderline Diagnostiziert. Meine erste Reaktion war "Du Arsch". Ich hatte zwar keine Ahnung davon was Borderline ist,
aber eins wusste ich, ich wollte mich in keine Schublade stecken lassen, und schon gar nicht in die einer psychischen Erkrankung. Die folgenden Jahre wollte ich
nichts von Borderline wissen.
Inzwischen (stand 2006) ist manches davon nicht mehr aktuell, aber es betrifft doch immer noch einen Teil von uns.
Aktualisierung, November 2008: Inzwischen weiß ich, das viele der angeblich Borderline-typischen Symptome, auch Symptome der DIS sind. Hier also meine Ausführung wie
ich "mich" erlebe.
Stimmungsschwankungen
(bis etwa 2005) Von Glücklich zu Traurig, von Ruhig zu Nervös, von Ausgeglichen zu Wütend, von Liebe zu Hass, meine Stimmung schwankt, und das manchmal innerhalb einer Sekunde. In Momenten in denen ich eigentlich Glücklich sein sollte, z.B. nach einer bestandenen Prüfung fühle ich nichts, bin Dissoziiert, in Situationen die zum Weinen sind (z.B. Beerdigung) war mir früher zum lachen zumute (ist jetzt nicht mehr so). Ausserdem bin ich oft Gereizt wenn es gar keinen Anlass dazu gibt. Von null auf 180 in einer Sekunde und das gleiche auch wieder zurück. Gerade Wutausbrüche kann ich nicht kontrollieren, ich bin gefangen in mir selbst. Wenn es vorbei ist habe ich manchmal Halsschmerzen und es tut mir leid was passiert ist. Und es kommt auch vor dass ich mich so derart ausklinke dass ich den Wutanfall überhaupt nicht mitbekomme. -
So ging es mir 2006 noch, doch inzwischen (2007) hat sich einiges verändert, manches ist noch genauso. Was sich verändert hat, sind die unkontrollierten Wutausbrüche. Die gibt es nicht mehr. Ich spüre zwar oft Wut, doch ich kann diese Wut kontrollieren. Wenn die Wut ganz schlimm ist, gehe ich aufs Laufband und laufe bis die Wut weg ist. Insgesamt macht mich aber lange nicht mehr so viel wütend wie damals noch, ich bin gelassener geworden.
Jetzt (seit September 2009), kann ich sagen das ich Wut kaum noch bis gar nicht mehr spüre. Ich strahle eine stoische Ruhe aus wird mir gesagt, und ich fühle auch (fast) nur noch Ruhe/Gelassenheit. Konflikte (mit mir selbst und/oder mit anderen) trage ich auf dem Papier aus (Briefe, Tagebuch).
Nähe
Ich kann Nähe nur von ganz wenigen Menschen zulassen, und von diesen Menschen brauche/bräuchte ich das auch. Aber gerade die Menschen, in deren Nähe ich mich wohl fühle und von denen ich Nähe zulassen kann wissen es (fast alle) nicht. Ich wünsche mir auch sehr in den Arm genommen zu werden, gehalten zu werden. Doch mich mitteilen und es denen sagen von denen ich es mir wünsche, ..., daran arbeite ich noch. Wenn ich von Nähe schreibe und das ich Nähe brauche und mir wünsche diese zu bekommen, dann hat das absolut nichts mit sexuellen Gefühlen zu tun!! Diejenigen von denen ich in den Arm genommen werden kann und will, sind auch nicht alle in deren Gegenwart ich mich wohl fühle. Und jederzeit kann es durch irgendwas passieren, das ich plötzlich bei einer Person, in deren Nähe ich mich wohl gefühlt habe, dies nicht mehr tue. Es ist einfach eine Qual!
Innere Leere
Ist nicht mehr wirklich belastend. Nur noch selten fühle/spüre ich innere Leere. Aber ich weiß das dieser Zustand vorbei geht, also warte ich einfach ab.
Alleine Sein
Alleine Sein ist so eine Sache für sich. In Anwesenheit bestimmter Menschen, ganz wenige sind das, fühle ich mich wohl, und auch nicht alleine. Aber bei den meisten
Menschen fühle ich mich alleine und verlassen in deren Gegenwart, und da wünsche ich mir alleine zu sein. Ich genieße es, alleine zu sein, alleine mit "mir". Da komme ich
zur Ruhe, kann an mir arbeiten.
SVV
Selbstverletzendes Verhalten. Ich habe mir meine Arme, Bauch, Brust, Genitalbereich, Rücken, Beine mit Rasierklingen zerschnitten. In schlimmen Phasen habe ich mich dann
in die Badewanne gelegt und heißes Wasser aus der Brause über meinen ganzen Körper laufen lassen. Ich habe es gemacht um den inneren Schmerz nicht spüren zu müssen, oder
um mich aus einem dissoziierten Zustand wieder rauszuholen oder bei diesem Gefühl der inneren Leere. Es hat sich ein Druck aufgebaut den ich nicht anders zu bewältigen wusste.
Vielleicht wollte ich den Druck auch nicht anders bewältigen, die Rasierklingen haben mir einfach Sicherheit gegeben. Normale Tränen konnte/kann ich nicht weinen, mein Körper
hat rote Tränen geweint.
Dissoziationen
Manchmal gerate ich in einen Zustand der Dissoziation. Dann nehme ich meine Umwelt wie durch eine dicke Glaswand oder Watte war. Ich kann nicht angemessen auf meine Umwelt
reagieren, ich meine dass kann ich so schon nicht wirklich, aber unter Dissos ist es noch schlimmer, ich sage nur noch Ja und Mhm ohne jedoch zu wissen auf was ich gerade
Antworte oder auf was ich etwas erwiedere, denn das bekomme ich nicht wirklich mit.
Es kommt aber auch vor dass ich in mir drinnen die Glaswand habe oder Nebel und ich tue Dinge die ich nicht kontrollieren kann. Dann bin ich in meinem eigenen Hintergrund
und aus meinem Mund wird gesprochen und ich kann nicht bestimmen was. Da hat dann eine andere "Person" die Kontrolle drüber was getan, gesagt wird.
Manchmal verschwimmt auch der Boden auf dem ich gehe und ich bekomme Gleichgewichtsprobleme, Schwanke dann oder muss mich irgendwo festhalten um nicht Hinzufallen.
So ein Zustand kommt ganz plötzlich und verschwindet dann auch wieder und es passiert auch im Sitzen oder im Liegen. Da kommt es dann manchmal vor dass dazwischen Zeit
vergangen ist in der ich etwas getan habe ohne es mitbekommen zu haben. Dass kann verschiedenes sein, harmloses wie Malen oder Schreiben, aber leider auch dass ich
stundenlang Autofahre und komme irgendwo zu mir in einer Gegend die mir Fremd ist. Oder ich sitze plötzlich im Bus, weis aber gar nicht welcher und wohin der fährt oder
ich bin sonstwo.
Einen ausführlichen Einblick in mein (er-)leben (von) mit Dissoziationen, gibt mein Buch. Derzeit bin ich auf der Suche nach einer Lektorin/einem Lektor.
Suizid(gedanken)
Ich dachte oft an Suizid und habe auch schon Versuche hinter mir. Insgesamt bin ich aber froh dass ich noch lebe, denn ich erlebe manchmal auch wirklich schöne Momente die Lebenswert sind (Wie zum Beispiel das Konzert von The Ark (18.05.2005) für dass ich Karten gewonnen hatte). Wenn ich schon mal wieder dabei bin, dann schreibe ich noch gleich einen weiteren schönen Moment auf, das Konzert von Tarja Turunen in der Passionskirche Berlin im Dezember 2005 (habe ich je ein schöneres Konzert erlebt???) -> ja habe ich :) und zwar am 28.08.2009 in der Berliner Waldbühne, das Konzert der Toten Hosen (the best i`ve ever seen). Ok, realistisch betrachtet lassen sich Tarja Turunen und die Toten Hosen nicht miteinander vergleichen, und The Ark auch nicht.
Manchmal kommen noch Suizidgedanken die irgendwie nicht von mir sind, aber trotzdem in meinem Kopf. Die sind sehr belastend!